Setze die gesamte Mehlmenge mit 100% an. Zähle das Mehl im Sauerteig dazu, bevor du Wasser, Salz oder eine Teigmenge berechnest.
- Verwende für jede Zutat dieselbe Bezugsgröße.
- Trenne die Gesamtmengen des Rezepts von den Zutaten, die beim Mischen noch hinzukommen.
- Ein Prozentwert beschreibt eine Rezeptur; er sagt den Gärverlauf nicht voraus.
Das Mehl ist die Bezugsgröße
Bäckerprozente beschreiben das Gewicht einer Zutat im Verhältnis zum gesamten Mehl im Teig. Mehl entspricht immer 100%. Wasser, Salz und jede weitere Zutat werden auf dieselbe Mehlmenge bezogen, nicht auf das Gewicht der fertigen Mischung. Sobald diese Bezugsgröße klar ist, lässt sich eine Rezeptur leichter vergleichen, auf eine andere Menge umrechnen und vor dem Mischen prüfen.
Die Grundrechnung lautet: Zutatenanteil in Prozent = Zutatengewicht ÷ gesamtes Mehlgewicht × 100. Enthält ein Teig 600 g Mehl und 12 g Salz, beträgt der Salzanteil 2%. Das bedeutet nicht, dass 2% des Teigs aus Salz bestehen. Es bedeutet, dass das Salz zwei Hundertstel so viel wiegt wie das Mehl. Das Fachlexikon von King Arthur Baking erläutert diese Konvention; die Zahlenbeispiele in diesem Leitfaden sind eigenständig durchgerechnete Beispiele.
Warum die Prozentwerte zusammen mehr als 100 ergeben
Nimm eine einfache Rezeptur mit 100% Mehl, 72% Wasser und 2% Salz. Ihre Prozentwerte ergeben zusammen 174%. Das ist kein Fehler: Es handelt sich um Verhältnisse zur Mehlmenge, nicht um Stücke eines Kuchendiagramms für den gesamten Teig. Jede Zutat steht in einem eigenen Verhältnis zu einem festen Bezugsgewicht.
Bei insgesamt 600 g Mehl multiplizierst du 600 mit 0,72 und erhältst 432 g Wasser; mit 0,02 multipliziert ergeben sich 12 g Salz. Vor Verlusten bei der Verarbeitung wiegt der Teig 1.044 g. Teilst du dieses Gesamtgewicht durch das Mehlgewicht, erhältst du 1,74 – dasselbe Verhältnis, das 174% ausdrückt. Halte den Unterschied zwischen Prozentwert und Dezimalzahl sichtbar fest: Aus 72% wird beim Multiplizieren 0,72, aus 174% wird 1,74.
Sauerteig enthält Mehl und Wasser
Sauerteig ist eine Zutat, die du abwiegst, aber zugleich eine Mischung. Sein Mehl und sein Wasser gehören zu den Gesamtmengen der Rezeptur. Ein Sauerteig mit 100% Hydration enthält gleich viel Mehl und Wasser nach Gewicht. 120 g dieses Sauerteigs liefern daher 60 g Mehl und 60 g Wasser. Seine Blasen ändern nichts an dieser Art der Mengenbilanz.
Für das Beispiel mit 600 g Mehl und 72% Hydration wiegst du mit diesem Sauerteig 540 g frisches Mehl, 372 g frisches Wasser, 120 g Sauerteig und 12 g Salz ab. Auch diese Einwaagen ergeben zusammen 1.044 g. Die Mehlrechnung lautet 540 + 60 = 600, die Wasserrechnung 372 + 60 = 432. Würdest du das Sauerteigmehl im Nenner weglassen, würde die Rechnung ein anderes Verhältnis beschreiben und die tatsächliche Zusammensetzung des Teigs verschleiern.
Trenne die Gesamtrezeptur von der Einwaageliste
Die Gesamtrezeptur beschreibt die Zusammensetzung des Teigs. Die Einwaageliste sagt dir, was in die Schüssel kommt. Beides ist nützlich, beantwortet aber unterschiedliche Fragen. Die obige Gesamtrezeptur enthält 600 g Mehl, 432 g Wasser und 12 g Salz. Ihre Einwaageliste nennt frisches Mehl, frisches Wasser, Sauerteig und Salz, weil ein Teil des Mehls und Wassers bereits vermischt und fermentiert wurde.
Gib nicht zusätzlich 120 g Sauerteig zur Gesamtrezeptur, ohne dessen Mehl und Wasser abzuziehen. Sonst entstehen insgesamt 660 g Mehl und 492 g Wasser: ein größerer Teig mit etwa 74,55% Hydration. Außerdem sinkt der tatsächliche Salzanteil auf ungefähr 1,82%. Eine scheinbar kleine Abkürzung in der Mengenbilanz verändert also mehrere Eigenschaften gleichzeitig.
| Zutat | Frische Zugabe | Im Sauerteig | Insgesamt im Teig |
|---|---|---|---|
| Mehl | 540 g | 60 g | 600 g |
| Wasser | 372 g | 60 g | 432 g |
| Salz | 12 g | 0 g | 12 g |
| Teiggewicht nach dem Mischen | 924 g | 120 g | 1.044 g |
Zwei verschiedene Bedeutungen des Sauerteiganteils
Eine Rezeptur kann mit 20% Sauerteig die Sauerteigmasse geteilt durch die gesamte Mehlmenge meinen. In unserem Beispiel sind das 120 ÷ 600 × 100 = 20% Sauerteigmasse. Der Anteil vorfermentierten Mehls zählt dagegen nur das im Sauerteig enthaltene Mehl: 60 ÷ 600 × 100 = 10%. Diese Zahlen beschreiben denselben Teig aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Bei 100% Sauerteighydration ist der Prozentwert der Sauerteigmasse doppelt so groß wie der Anteil vorfermentierten Mehls. Bei anderen Hydrationen funktioniert diese Abkürzung nicht. Ein Sauerteig mit 60% Hydration und 60 g Mehl wiegt 96 g, weil er 36 g Wasser enthält. In derselben Rezeptur mit 600 g Mehl entspricht er 10% vorfermentiertem Mehl, aber 16% Sauerteigmasse. Lies immer die Bezeichnung neben der Zahl, statt bei jedem Rezept dieselbe Konvention vorauszusetzen.
Sauerteig bei jeder Hydration aufteilen
Schreibe die Sauerteighydration als Dezimalzahl h. Sauerteigmehl = Sauerteigmasse ÷ (1 + h). Sauerteigwasser = Sauerteigmasse − Sauerteigmehl. Bei 90 g Sauerteig mit 80% Hydration ist h gleich 0,8; damit beträgt das Sauerteigmehl 90 ÷ 1,8 = 50 g und das Sauerteigwasser 40 g. Das ist eine einfache Mischungsrechnung, keine Vorhersage über die Reife des Sauerteigs.
Ist die Hydration des Sauerteigs unbekannt, lässt sich die exakte Gesamthydration nicht allein aus seinem Gewicht ermitteln. Eine dicke Konsistenz reicht nicht aus, um seine Zusammensetzung zu bestimmen, denn auch Mehlsorte und Fermentation beeinflussen die Textur. Nutze eine bekannte Fütterungsaufzeichnung, baue eine abgemessene Portion nach einer dokumentierten Rezeptur neu auf oder kennzeichne das Ergebnis als Schätzung. Zusätzliche Nachkommastellen im Rechner ersetzen keine fehlenden Zutatenangaben.
Verschiedene Mehle kombinieren
Bei mehreren Mehlen beziehen sich alle Anteile auf denselben Nenner und müssen zusammen 100% ergeben. Eine Rezeptur mit 600 g Mehl könnte 540 g backstarkes Weizenmehl und 60 g Weizenvollkornmehl enthalten, entsprechend 90% und 10%. Das Mehl im Sauerteig gehört ebenfalls zu einer dieser Kategorien oder zu einer dokumentierten Mischung.
Enthalten unsere 120 g Sauerteig 60 g backstarkes Weizenmehl, besteht die frische Mehlzugabe aus 480 g backstarkem Weizenmehl und 60 g Weizenvollkornmehl. Besteht sein Mehl stattdessen vollständig aus Weizenvollkorn, werden 540 g backstarkes Weizenmehl und kein weiteres Vollkornmehl zugegeben. Beide Varianten haben dieselben Gesamtmehlanteile, verteilen aber das fermentierte Mehl unterschiedlich. Diese Verteilung ist eine nützliche Information für deine Rezeptnotizen.
Teile bei einem Sauerteig mit Mehlmischung zuerst sein Mehl auf, bevor du Mengen von der endgültigen Mischung abziehst. Angenommen, die gewünschten 600 g Gesamtmehl bestehen zu 80% aus backstarkem Weizenmehl und zu 20% aus Roggenmehl; die 60 g Sauerteigmehl sind im Verhältnis 60:40 aus Weizen- und Roggenmehl gemischt. Der Sauerteig liefert dann 36 g Weizenmehl und 24 g Roggenmehl. Frisch hinzukommen deshalb 480 − 36 = 444 g backstarkes Weizenmehl und 120 − 24 = 96 g Roggenmehl. Prüfe: 444 + 96 + 60 = 600 g. Die Mischungsangabe beschreibt das Mehl, nicht den gesamten Sauerteig.
Von Prozenten zurück zu Gramm
Lege zuerst die Gesamtmehlmenge fest, wenn dein Mehlvorrat die Menge begrenzt. Bei 800 g Gesamtmehl, 72% Hydration und 2% Salz ergeben sich insgesamt 576 g Wasser und 16 g Salz. Für 10% vorfermentiertes Mehl reservierst du 80 g Mehl für den Sauerteig. Bei 100% Sauerteighydration entspricht das 160 g Sauerteig mit 80 g Wasser.
Die endgültige Einwaageliste lautet daher: 720 g frisches Mehl, 496 g frisches Wasser, 160 g Sauerteig und 16 g Salz. Zusammen ergeben die Gewichte 1.392 g Teig. Rechne anschließend zur Kontrolle zurück: Wasser = 496 + 80 = 576 g, Mehl = 720 + 80 = 800 g und 576 ÷ 800 entspricht 72%. Die Prüfung in beide Richtungen deckt versehentliche Doppelzählungen auf.
Vom Teiggewicht zurückrechnen
Ist die Teigmenge vorgegeben, teile das Zielgewicht durch die Summe der als Dezimalzahlen geschriebenen Rezeptverhältnisse. Ein Mehl-Wasser-Salz-Teig mit 72% Hydration und 2% Salz hat den Faktor 1 + 0,72 + 0,02 = 1,74. Für 1.740 g Teig rechnest du 1.740 ÷ 1,74 = 1.000 g Gesamtmehl.
Daraus ergeben sich insgesamt 720 g Wasser und 20 g Salz. Bei 10% vorfermentiertem Mehl und 100% Sauerteighydration verwendest du 200 g Sauerteig, 900 g frisches Mehl und 620 g frisches Wasser. Der Sauerteig ist bereits in den Mehl- und Wassersummen enthalten; er darf daher nicht noch einmal als zusätzliche 20% in den Teigfaktor eingehen. Diese Methode schätzt das Teiggewicht nach dem Mischen, nicht das geringere Gewicht des abgekühlten gebackenen Brots.
Weitere Zutaten und ihre Annahmen sichtbar halten
Auch Öl, Saaten, Zucker und andere Zugaben lassen sich auf die gesamte Mehlmenge beziehen. Beispielsweise entsprechen 24 g Öl bei 600 g Mehl einem Anteil von 4%. Ist es eine zusätzliche Zutat, zähle ihr Gewicht zum Gesamtteig hinzu. Öl wird nicht zu Wasser, nur weil es fließt. Bei einem Quellstück brauchst du genauere Aufzeichnungen: Unterscheide die trockenen Zutaten vom Wasser und notiere, ob nicht aufgenommenes Wasser abgegossen wird.
Milch, Eier, Joghurt, Honig und gekochtes Getreide erschweren die Hydrationsrechnung, weil ihr Gesamtgewicht nicht aus reinem Wasser besteht. Ein einfacher Mehl-Wasser-Rechner sollte offenlegen, was er berücksichtigt, statt ein irreführend präzises Ergebnis auszugeben. Halte bei einem angereicherten Teig die Konvention des Originalrezepts sichtbar fest und verwende Angaben zur Zutatenzusammensetzung nur, wenn du bewusst eine Schätzung des tatsächlichen Wassergehalts berechnen möchtest.
Runden und messen
Rechne zunächst mit zusätzlicher Genauigkeit und runde erst die endgültige Einwaageliste passend zu deiner Waage. Werden alle Zwischenergebnisse einzeln gerundet, können sich kleine Fehler summieren, besonders bei sehr kleinen Teigmengen. Bei einer üblichen Haushaltsmenge sind Grammangaben für die Hauptzutaten ein sinnvoller Ausgangspunkt; kleine Salzmengen lassen sich mit einer feineren Waage gegebenenfalls besser erfassen.
Addiere nach dem Runden die endgültigen Gewichte und berechne die tatsächlichen Prozentwerte erneut, wenn die Unterschiede für deinen Vergleich wichtig sind. Ein gedruckter Zielwert von 72% kann nach dem Runden zu 71,96% werden; das ist ein Messdetail, keine andere Backphilosophie. Deutlichere Abweichungen weisen häufig auf eine falsche Mehlbezugsgröße, doppelt gezählten Sauerteig oder eine in der falschen Einheit eingegebene Menge hin.
Zahlen richtig einordnen, ohne zu viel zu versprechen
Bäckerprozente machen die Zusammensetzung vergleichbar, sorgen aber nicht dafür, dass sich jeder Teig gleich verhält. Zwei Rezepturen mit derselben Hydration können unterschiedliche Mehle, eine andere Sauerteigreife sowie verschiedene Misch- und Gärverfahren verwenden. Die Zahlen beschreiben die Zutaten; sie ersetzen weder die Beobachtung des Teigs noch eine verlässliche Methode.
Nutze die Rezeptur für konkrete Fragen: Wie viel Wasser ist enthalten, wie viel Mehl wurde vorfermentiert, wie viel Salz kommt hinein und welche Teigmenge entsteht? Dokumentiere den Ablauf anschließend getrennt davon. Eine hilfreiche Notiz enthält die genaue Mehlsorte, das Fütterungsprotokoll des Sauerteigs, Zutatengewichte, Temperaturbeobachtungen und tatsächlich vorgenommene Änderungen. So wird aus einem Rechenergebnis ein Rezept, das du verstehen und wieder aufgreifen kannst.
Zum Schluss fünf Prüffragen
Prüfe vor dem Abwiegen, ob sämtliches Mehl erfasst ist, ob die Sauerteighydration bekannt ist, ob der Sauerteigprozentwert die Masse oder das vorfermentierte Mehl meint, ob später zugegebenes Wasser mitgezählt wurde und ob das Gesamtteiggewicht zu deinen geplanten Portionen passt. Diese Fragen helfen mehr, als eine große Sammlung einzelner Prozentwerte auswendig zu lernen.
Für unser wiederkehrendes Beispiel lauten die Antworten: 600 g Gesamtmehl, 100% Sauerteighydration, 20% Sauerteigmasse beziehungsweise 10% vorfermentiertes Mehl, 432 g Gesamtwasser und 1.044 g Teig nach dem Mischen. Sobald du diese fünf Werte in der Zutatenliste nachvollziehen kannst, beherrschst du die entscheidende Grundlage. Größere Teigmengen und andere Hydrationen nutzen dieselben Beziehungen mit anderen Zahlen.
Quellen und weiterführende Lektüre
Dieser Ratgeber verbindet veröffentlichte Quellen mit unseren eigenen Erklärungen und Entscheidungshilfen. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung. Sie dokumentieren keine Testbrote von Sourdough Bench.
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